Fugenloses Bad planen: Mikrozement, Tadelakt und HPL richtig ausführen, abdichten und kalkulieren
Warum fugenlos? Sauberkeit, Optik und Praxis
Fugenlose Bäder sind leicht zu reinigen, wirken großzügig und zeitlos. Weniger Fugen bedeutet weniger Schmutz- und Schimmelzonen. Gerade in kleinen Bädern unter 6 m2 bringt eine ruhige Oberfläche optisch spürbar mehr Raum.
Gleichzeitig verlangt fugenlos Konsequenz in Aufbau und Abdichtung. Risse, fehlerhafte Übergänge oder falsche Versiegelungen fallen sofort auf und können zu Feuchteschäden führen. Wer sauber plant, die richtigen Systeme kombiniert und die DIN 18534 beachtet, erhält eine langlebige, pflegeleichte Lösung.
Für Mieter ist Reversibilität wichtig. Großformatige Platten oder Duschpaneele lassen sich oft zurückbauen. Spachtel- und Putzsysteme sind eher dauerhaft und sollten mit dem Vermieter abgestimmt werden.
- Haftgrund, mineralisch, 5 l - 35 bis 60 EUR
- Abdichtung DIN 18534, 2K mineralisch, 15 kg - 90 bis 150 EUR
- Dichtband innere/äußere Ecken, 10 m + 4 Ecken - 35 bis 60 EUR
- Manschetten für Rohrdurchführungen, 3 St - 15 bis 30 EUR
- Entkoppelungs- oder Dichtbahn, 10 m2 - 120 bis 200 EUR
- Glasfasergewebe, 25 m2 - 35 bis 70 EUR
- Mikrozement Basis + Fein, 30 kg - 180 bis 320 EUR
- 2K PU-Versiegelung, 2 l - 80 bis 140 EUR
- Schleifmittel, Kellen, Rakel, Rollen - 60 bis 120 EUR
- Gesamt Material 5 m2 Bad - 650 bis 1.150 EUR

Systeme im Vergleich: Was passt zu Ihrem Bad?
Mikrozement (dünnschichtiger, zementärer Spachtel)
Dünner Aufbau ab ca. 2 bis 3 mm, tragfähiger Untergrund nötig. Optik von matt bis seidenmatt, feine Struktur, viele Farben. Gut für Wände und außerhalb der stark wasserbelasteten Duschzone auch für Böden. In der Dusche selbst nur mit vollflächiger, normgerechter Abdichtung darunter und robuster 2K-Versiegelung nutzen.
- Pro: sehr dünn, renovierungsfreundlich, optisch ruhig
- Kontra: rissgefährdet bei Untergrundbewegung, Versiegelung ist Verschleißteil
- Typisch: 60 bis 120 EUR/m2 Material, 90 bis 180 EUR/m2 Verarbeitung
Tadelakt (kalkbasierter, polierter Putz)
Mineralisch, diffusionsoffen, mit Seifenlasur wasserabweisend. Samtig, leicht wolkige Oberfläche. Sehr handwerklich. In intensiven Nasszonen dauerhaft nur bei perfekter Ausführung und Pflege.
- Pro: natürliche Haptik, edle Optik, gute Ökobilanz
- Kontra: handwerklich anspruchsvoll, regelmässige Pflege mit Seife/Wachs
- Typisch: 80 bis 150 EUR/m2 Material, 120 bis 250 EUR/m2 Verarbeitung
HPL- und großformatige Verbundplatten
HPL, Feinsteinzeugverbund oder Mineralwerkstoff als großformatige Platten bieten wenige Fugen und sehr robuste Oberflächen. Ideal in Duschen. Montage auf Trägerplatten oder direkt auf vorbereitete Untergründe, stoß- und kratzfest, pflegeleicht.
- Pro: sehr wartungsarm, hohe Wasserbeständigkeit, schneller Einbau
- Kontra: Zuschnitt erfordert Sorgfalt, sichtbare Stoßfugen an Stößen
- Typisch: 120 bis 260 EUR/m2 Material, 90 bis 180 EUR/m2 Verarbeitung
Reaktionsharz-Beschichtungen (Epoxid/PU)
Mechanisch belastbar, nahtlos. In der Dusche technisch machbar, aber auf Rutschhemmung, Emissionen und Optik achten. Oft eher in Nutzräumen. Für Wohnbäder nur mit geeigneten, emissionsarmen Systemen und Rutschhemmklasse einplanen.
- Pro: fugenlos, sehr dicht
- Kontra: Anmutung industriell, UV-Beständigkeit und Emissionen prüfen
Untergrund, Abdichtung und Normen: die Basis
Die DIN 18534 regelt Abdichtung innen. Entscheidend sind Wassereinwirkungsklassen:
- W0-I: geringe Spritzwasser (z. B. Wände außerhalb Dusche)
- W1-I: mäßige Spritzwasser (Badezimmerwände nahe Wasserstellen)
- W2-I: hoch, z. B. Duschen und bodengleiche Duschen
In W2-I sind hochwertige, passende Abdichtungen und Formteile Pflicht. Typische Aufbauten:
- Mineralische 2K-Abdichtung oder Reaktionsharzabdichtung auf gespachtelten, rissfreien Untergründen
- Dichtbänder in Ecken, Manschetten an Rohren, Dichtmanschette am Bodenablauf
- Entkoppelungs- oder Dichtbahnen nach Systemvorgaben
Untergründe vorbereiten
- Tragfähigkeit: alter Fliesenspiegel fest, Hohlstellen entfernen, neu verspachteln
- Ebenheit: Q2 bis Q3 Spachtelqualität an Wänden, Boden Gefälle zur Rinne 1,5 bis 2 Prozent
- Risse: kraftschlüssig schließen, Dehnfugen übernehmen
- Haftung: staubfrei, saugfähige Untergründe grundieren, glatte entstauben/anschleifen
Rutschhemmung und Hygiene
- Duschboden mit Rutschhemmung R10 B oder höher planen
- Silicon nur in Bewegungsfugen, sonst mineralische Fugen oder Plattenstöße dichtband-unterstützt
- Ablaufdetails und Wandanschlüsse mit Systemzubehör lösen
Aufbau Schritt für Schritt: Beispiel 5 m2 Bad mit 90×90 Dusche
1. Bestandscheck und Demontage
- Sanitärobjekte ab, Armaturen verschließen, Untergrund prüfen
- Lose Fliesen, Putz abtragen, Hohlräume schließen
2. Untergrund egalisieren
- Wände auf Q2 bis Q3, Boden mit Gefälle zur Rinne aufspachteln
- Trocknungszeiten gemäß Hersteller einhalten
3. Grundierung
- Passend zum Untergrund auftragen, Trocknung 2 bis 12 h
4. Abdichtung nach DIN 18534
- Erste Lage 2K-Abdichtung, Dichtband in Ecken/Anschlüssen einbetten
- Zweite Lage kreuzweise, Nassfilm prüfen, Trocknung 12 bis 24 h
- Manschetten an Rohrdurchführungen, Dichtmanschette am Ablauf
5. Entkopplung/Dichtbahn, wo gefordert
- In kritischen Bereichen Dichtbahnen laut System kleben
6. Spachtelaufbau Mikrozement
- 1. Lage Basis, Gewebe einbetten an Wänden in Spritzbereichen
- Zwischenschliff, 2. Lage Basis
- Feinspachtel 1 bis 2 Lagen je nach Optik
- Trocknung und Zwischenschliffe streng einhalten
7. Versiegelung
- 2K-PU oder vergleichbar, 2 Schichten, Randbereiche sorgfältig
- Rutschhemmende Endbeschichtung in der Dusche
8. Abschluss
- Sanitärobjekte montieren, Bewegungsfugen silikonieren
- Erstpflege nach Herstellervorgaben
Kosten und Zeitplan realistisch kalkulieren
Richtwerte in Deutschland, Stand Handwerkspreise der letzten Jahre, je nach Region und System:
- Material Mikrozement inkl. Abdichtung 60 bis 140 EUR/m2
- Verarbeitung Fachbetrieb 90 bis 220 EUR/m2
- HPL-/Großplatten Material 120 bis 260 EUR/m2, Montage 90 bis 180 EUR/m2
- Komplettbad 4 bis 6 m2 fugenlos: 5.500 bis 12.000 EUR inkl. Sanitär, je nach Ausstattung
Zeitplan für 5 m2, fugenlos mit Mikrozement:
- Demontage und Untergrund 1 bis 2 Tage
- Abdichtung 1 bis 2 Tage plus Trocknung
- Spachtelaufbau 2 bis 3 Tage inkl. Schliffe
- Versiegelung 1 Tag plus Aushärtung
- Montage Sanitär 1 Tag
In Summe 7 bis 10 Kalendertage. Puffer für Trocknungszeiten einplanen. Dusche oft erst nach 3 bis 5 Tagen Endhärtung voll belastbar.

Details, die oft vergessen werden
- Nischen in der Dusche: alle Kanten mit Dichtband, Gefälle der Nischensohle 2 Prozent
- Übergang Wand-Boden: Dichtmanschette am Ablauf, keine Sparlösung
- Heizkörperrückwand: Spritzwasser beachten, dort ebenfalls abdichten
- Armaturenausschnitte: Manschetten, kein Silikon als Abdichtung ersetzen
- Licht: Feuchtraumleuchten IP44+, Trafo außerhalb der Nasszone
- Akustik: harte Flächen hallen. Mit Textilien, Akustikpaneelen außerhalb der Nasszone und Pflanzen arbeiten
Pflege und Instandhaltung
- Reiniger pH-neutral, keine Scheuermittel oder Chlor
- Mikrozement: Versiegelung je nach Nutzung alle 2 bis 4 Jahre auffrischen
- Tadelakt: regelmäßig mit Oliven- oder Spezialseife pflegen, gelegentlich nachwachsen
- HPL/Großplatten: einfache Reiniger, Fugen silikonfrei halten und nur in Bewegungsfugen Silikon erneuern
- Nach Spritzwasser abziehen, trockene Flächen bleiben länger schön
Mietwohnung: was ist realistisch?
- Reversibel: großformatige Duschpaneele oder HPL-Platten auf vorhandene Fliesen kleben mit begrenzten, rückbaubaren Fixpunkten
- Keine Eingriffe in Abdichtung der Gebäudesubstanz ohne Zustimmung
- Duschzone komplett fugenlos spachteln ist dauerhaft, also Vermieter schriftlich einbinden
- Alternative: Teilfugenlosigkeit. Nur Spritzbereiche mit Paneelen, Rest bleibt gefliest
Nachhaltigkeit und Raumklima
- Emissionen: EC1- oder vergleichbare Angaben prüfen, lösemittelfreie Systeme bevorzugen
- Mineralische Systeme punkten in Ökobilanz, Harzsysteme auf VOC prüfen
- Langlebigkeit vor schnellen Trends: weniger Sanierungszyklen spart Ressourcen
Typische Fehler vermeiden
- Keine Abdichtung in W2-I: führt zu Durchfeuchtung, Schimmel, Streitfällen
- Falscher Untergrund: Bewegungen reißen Spachtel, daher entkoppeln oder Untergrund sanieren
- Zu dünne Versiegelung: nutzt sich ab, Wasser dringt ein
- Kein Gefälle zur Rinne: stehendes Wasser, Rutschgefahr
- Zu früher Nutzungsbeginn: Versiegelung noch weich, Kratzer und Glanzflecken
Podsumowanie
- System wählen: Mikrozement, Tadelakt oder HPL je nach Nutzung und Pflegebereitschaft
- DIN 18534 in Nasszonen strikt umsetzen
- Untergrund rissfrei und eben, Gefälle 1,5 bis 2 Prozent
- Zweifach versiegeln, Rutschhemmung in der Dusche einplanen
- Realistische Kosten und Trocknungszeiten einrechnen
FAQ
Kann ich Mikrozement direkt auf alte Fliesen auftragen?
Ja, wenn die Fliesen fest sitzen, entfettet und angeschliffen sind, und eine geeignete Grundierung plus normgerechte Abdichtung in Nasszonen erfolgt.
Ist Tadelakt in der Dusche dauerhaft?
Mit perfekter Ausführung und Pflege ja, aber empfindlicher als HPL oder Großplatten. Regelmäßige Seifenpflege und Nachverdichtung sind Pflicht.
Wie erreiche ich Rutschhemmung in fugenlosen Duschen?
Durch strukturierte Schicht, Additive oder spezielle Endbeschichtungen. Ziel: R10 B oder höher, abhängig vom System.
Was kostet ein 5 m2 Bad fugenlos in Deutschland?
Je nach System und Ausstattung 5.500 bis 12.000 EUR komplett. Reine Oberflächenarbeiten liegen grob zwischen 1.800 und 4.500 EUR.
