Sitzfensterbank mit Stauraum planen: Maßregeln, Aufbau und Kosten für Altbau und Neubau
Warum eine Sitzfensterbank mit Stauraum oft besser ist als ein Sessel
Eine Sitzfensterbank nutzt eine Fläche, die sonst ungenutzt bleibt: die Zone direkt am Fenster. In Wohnungen mit 50 bis 90 m2 bringt sie häufig mehr als ein zusätzlicher Sessel, weil sie drei Funktionen kombiniert: Sitzen, Verstauen, und eine klare Gestaltungslinie entlang der Wand.
Praktisch ist das vor allem in typischen deutschen Grundrissen: Altbau mit hohen Fenstern und Heizkörpern darunter, oder Neubau mit bodentiefen Fenstern und wenig Stellwänden. Mit einer guten Planung bekommst du einen festen Lieblingsplatz ohne Möbelchaos.
Damit das nicht nach DIY-Kiste aussieht, müssen Maße, Lasten, Lüftung und Details passen. Genau darum geht es in diesem Guide.
- Passt dein Fensterplatz? Mindestens 140 cm freie Breite für 2 Personen oder 90 bis 120 cm für einen Einzelplatz.
- Heizkörper darunter? Nur mit Luftführung (Gitter/Schlitze) und ausreichendem Abstand planen.
- Fensterbank tiefer als 20 cm? Dann meist besser neu aufbauen statt „verlängern“.
- Feuchte/Kondenswasser im Winter? Dann Materialien und Fugen besonders feuchteresistent wählen.
- Willst du Stauraum für schwere Dinge? Dann Korpusbau und Beschläge auf Last auslegen.
- Soll es als Schlafplatz taugen? Dann Tiefe, Polster und Absturzschutz berücksichtigen.

Maße, die wirklich funktionieren (Sitzhöhe, Tiefe, Breite)
Die häufigste Ursache für ungemütliche Sitzfensterbänke sind falsche Proportionen. Orientiere dich an bewährten Sitzmaßen, aber beachte den Sonderfall „Fenster“: Zugluft, Glasfläche, Heizkörper, Laibung.
Sitzhöhe: 43 bis 48 cm ist der Standard
Als Sitzhöhe (Oberkante Polster) funktionieren in Wohnungen meist 45 bis 48 cm. Ohne Polster plane 43 bis 45 cm. Im Altbau liegen vorhandene Fensterbänke oft deutlich höher (55 bis 70 cm) - das ist dann eher „Anlehnen“ statt bequemes Sitzen.
- Bequem zum Lesen: 46 bis 48 cm (mit 3 bis 6 cm Polster).
- Für Kinder: 38 bis 42 cm (oder Tritt/Sockel integrieren).
- Mit Blick nach draußen (hochliegende Brüstung): Sitzhöhe kann höher sein, aber dann Rücken-/Armlehnen einplanen.
Sitztiefe: 45 bis 55 cm, sonst wird es ein Liegeplatz
Für echtes Sitzen brauchst du in der Regel 45 bis 55 cm Tiefe (inklusive Polster). Unter 40 cm wird es schnell eng, über 60 cm sitzt man ohne Rückenkissen unbequem. Wenn du bewusst eine Daybed-Zone willst, plane 65 bis 80 cm und rechne mit mehr Polsteraufwand.
- 45 bis 50 cm: gute Alltags-Sitztiefe, wenig Platzverlust im Raum.
- 55 cm: sehr bequem mit Rückenkissen an der Laibung/Wand.
- 65 bis 80 cm: Lounge/Schlaf-Option, braucht Absturzschutz bei bodentiefen Fenstern.
Breite: ab 90 cm sinnvoll, ab 140 cm „zu zweit“
Ein einzelner, wirklich nutzbarer Sitzplatz beginnt bei ca. 90 cm Breite. Für zwei Personen sind 140 bis 180 cm gut. In der Praxis ist oft die Laibung begrenzend: Miss nicht nur Glasbreite, sondern die lichte Breite zwischen den Wänden.
Altbau vs. Neubau: die entscheidenden Unterschiede
Altbau und Neubau unterscheiden sich weniger im Design, sondern in Wärmebrücken, Heizkörper-Situation und Wandaufbau. Wenn du das falsch einschätzt, bekommst du Kondenswasser, kalte Ecken oder schlechte Heizleistung.
Altbau: Heizkörper und Zugluft sind die Hauptthemen
- Heizkörper unter dem Fenster: Eine geschlossene Front blockiert Konvektion. Plane Luftwege.
- Undichte Fenster/Laibungen: Sitzplatz fühlt sich kalt an - Polster und seitliche „Windbrecher“ helfen.
- Unebene Wände/Böden: Korpus muss ausnivelliert werden (Keilleisten, Stellfüße, Ausgleichsleisten).
Praxisregel: Wenn der Heizkörper heute schon „gerade so“ reicht, darfst du ihn nicht verbauen. Dann ist eine freistehende Bank mit Abstand oder eine seitliche Sitzlösung oft besser.
Neubau: bodentiefe Fenster und Sicherheit
- Bodentiefe Elemente: Absturzsicherung und Brüstungshöhen prüfen (auch für Kinder).
- Fußbodenheizung: Stauraum-Bank kann die Wärmeabgabe lokal beeinflussen - nicht direkt über kritische Zonen bauen, Sockelöffnung vorsehen.
- Schallschutz: Große Glasflächen, harte Oberflächen - Textilien und Akustikpaneele an der Sitznische wirken stark.
Stauraum-Konzepte: Klappe, Schubladen oder Türen?
Stauraum ist nicht gleich Stauraum. Entscheidend ist, wie du ihn im Alltag erreichst. Unter einer Sitzbank hast du typischerweise 35 bis 55 cm Höhe, manchmal mehr. Die Mechanik muss zu deinem Nutzungsprofil passen.
1) Klappdeckel: maximaler Stauraum, aber nur mit „Freiraum nach oben“
- Vorteil: günstig, viel Volumen, einfach zu bauen.
- Nachteil: Du musst Kissen wegnehmen, Deckel anheben, Zugriff ist unhandlich.
- Pflicht: Klappenbeschläge mit Dämpfung und Haltefunktion (sonst Fingerklemmen).
Gut für Decken, Kissen, saisonale Sachen. Schlecht für Dinge, die du täglich brauchst.
2) Schubladen: bester Alltag, aber konstruktiv anspruchsvoller
- Vorteil: Zugriff ohne alles abzuräumen, perfekte Ordnung.
- Nachteil: braucht Platz nach vorn (Auszug), kostet mehr (Auszüge, Fronten).
- Praxis: Tiefe Schubladen (40 bis 60 cm) sind ideal für Spielzeug, Papierkram, Kabelkisten.
Für schmale Flure oder enge Durchgänge sind Schubladen manchmal unpraktisch. Dann lieber Klappen oder seitliche Türen.
3) Türen (seitlich oder vorn): robust und günstig
- Vorteil: einfache Standard-Scharniere, gut bei unebenem Boden.
- Nachteil: Türschwenk braucht Platz; innen ist es dunkler, Ordnung ist wichtiger.
Aufbau, Materialien und Details, die Ärger vermeiden
Eine Sitzfensterbank muss drei Dinge gleichzeitig können: tragen, gut aussehen, und ein Fensterklima aushalten. Die Materialwahl ist deshalb weniger „Geschmack“ als „Fehlerprävention“.
Tragender Korpus: Multiplex oder Möbelplatte, aber richtig dimensioniert
- Multiplex 18 bis 21 mm: sehr stabil, gute Schraubwerte, ideal für Bankkorpusse.
- Spanplatte/MDF 18 mm: ok bei sauberer Verarbeitung, aber empfindlicher gegen Feuchte.
- OSB: konstruktiv möglich, optisch nur mit Verkleidung sinnvoll.
Wenn zwei Erwachsene darauf sitzen, sind 200 kg Gesamtlast kein unrealistischer Wert. Plane Querstreben und Mittelwände so, dass die Sitzplatte nicht federt. Faustregel: Bei 18 mm Platte eine Stützweite von 60 bis 80 cm nicht überschreiten, je nach Material.
Sitzplatte: robust, feuchteresistent, leicht zu reinigen
- HPL-beschichtete Platte: sehr alltagstauglich, gut bei Kondenswasser.
- Massivholz: schön, aber nur mit sauberer Oberflächenbehandlung (Öl/Lack) und Dehnfugen.
- Multiplex sichtbar: modern, harte Kante, gut mit Radius und Klarlack.
In Fensternähe ist HPL oder lackiertes Multiplex oft die stressfreieste Lösung. Massivholz funktioniert, wenn du Kondenswasser ernst nimmst und die Platte nicht „eingeklemmt“ wird.
Kondenswasser und Schimmel: so planst du die Luftführung
Am Fenster entsteht im Winter Kondenswasser. Wenn die Luft nicht zirkuliert, bleibt Feuchte in der Ecke stehen. Diese drei Maßnahmen funktionieren in der Praxis:
- Abstand zur Wand/Fensterlaibung: 10 bis 20 mm Schattenfuge statt dicht anpressen.
- Lüftungsschlitze oder Gitter: besonders über Heizkörpern, vorn oder oben.
- Feuchtefeste Oberflächen: Lack, HPL, PU-Öl, und Kanten versiegelt.
Wenn du regelmäßig Tropfen am Glas hast, plane eine abwischbare Oberfläche und vermeide textile Festverkleidungen direkt in der Laibung.
Heizkörper hinter der Bank: die sichere Lösung
Wenn der Heizkörper unter dem Fenster bleibt, sind diese Punkte in deutschen Wohnungen entscheidend:
- Vorne unten Lufteinlass: Sockelöffnung (z.B. 50 bis 80 mm hoch) oder Gitter.
- Oben Auslass: Gitter in der Sitzfläche oder ein Schlitz direkt hinter der Vorderkante.
- Wartung: Revisionsöffnung oder demontierbare Front (Thermostat, Entlüften).
Keine Spielerei: Ohne Luftweg wird der Raum kälter, und das Thermostat misst falsch, weil sich Wärme staut.
Polster, Textilien und Komfort: so wird es wirklich gemütlich
Die Bank ist nur halb fertig ohne gutes Polster. In der Praxis entscheidet das Polster über Nutzungsdauer: 10 Minuten dekorativ oder 2 Stunden Lesen.
Polsteraufbau, der nicht nach einem Monat platt ist
- Schaum: 6 bis 10 cm Qualitätsschaum (RG 35 oder höher, wenn möglich).
- Topper: 1 bis 2 cm Vlies oder Filz für weichere Haptik.
- Bezug: strapazierfähig (Scheuertouren), abnehmbar mit Reißverschluss.
Für Haushalte mit Kindern oder Haustieren lohnt ein abnehmbarer Bezug fast immer. Bei hellen Stoffen: lieber meliert als uni, das verzeiht Gebrauchsspuren.
Rückenkissen: der unterschätzte Teil
Ohne Rückenauflage sitzt du schnell „rund“. Praktische Lösung: 2 bis 3 große Kissen (60 x 60 oder 50 x 70 cm), die du tagsüber umschichten kannst. Wenn die Laibung kalt wirkt, helfen Kissen auch thermisch.
Planung in 8 Schritten: von Aufmaß bis Montage
So gehst du strukturiert vor, egal ob du selbst baust oder beauftragen willst:
- 1) Aufmaß: Breite, Tiefe bis Fenster, Brüstungshöhe, Heizkörpermaße, Thermostatposition, Steckdosen.
- 2) Nutzungsprofil: täglich (Schubladen) oder selten (Klappe)? Was soll rein (Gewicht, Volumen)?
- 3) Sitzmaße festlegen: Ziel-Sitzhöhe, Sitztiefe, Polsterdicke.
- 4) Luft und Wärme prüfen: Heizkörper ja/nein, Kondenswasser-Risiko, Lüftungsöffnungen planen.
- 5) Korpus-Konstruktion: Stützweiten, Mittelwände, Ausnivellierung, Befestigung an Wand (falls nötig).
- 6) Oberflächen: HPL/Lack/Öl, Kantenversiegelung, Reinigungsstrategie.
- 7) Elektrik und Licht: Leselampe, LED unter der Bank, Steckdose für Laptop oder Ladegeräte.
- 8) Montage: erst nivellieren, dann fixieren, Fugen sauber ziehen (nicht alles starr abdichten).
Kosten in Deutschland: realistische Budgets (DIY bis Tischler)
Die Spanne ist groß, weil Beschläge, Fronten und Polster den Preis treiben. Diese Richtwerte helfen bei der Einordnung:
DIY (Baumarkt + Zuschnitt): ca. 250 bis 700 EUR
- Plattenmaterial: 80 bis 250 EUR (je nach Multiplex/HPL).
- Beschläge: 40 bis 200 EUR (Klappenbeschläge oder Vollauszüge).
- Polster: 100 bis 300 EUR (Schaum + Bezug, je nach Stoff).
Wenn du Schubladen sauber bauen willst, kalkuliere eher am oberen Ende. Günstig wird es mit Klappen und einfachen Innenboxen.
Innenausbau nach Maß (Schreiner/Tischler): ca. 1.200 bis 3.500 EUR
- Einfacher Korpus + Klappe: oft ab 1.200 bis 1.800 EUR.
- Schubladen, hochwertige Fronten: häufig 2.000 bis 3.500 EUR.
Preistreiber sind: Lackfronten, grifflose Ausführung, aufwendige Lüftungsgitter, und komplizierte Altbau-Wände.
Typische Fehler aus echten Wohnungen (und wie du sie vermeidest)
- Fehler: Sitzhöhe ohne Polster gemessen - Lösung: Polsterdicke fixieren, dann Korpus anpassen.
- Fehler: Heizkörper „zugebaut“ - Lösung: Luftführung und Revision planen, sonst sinkt Heizleistung.
- Fehler: Keine Kantenversiegelung - Lösung: alle Schnittkanten lackieren/umleimen, besonders unten.
- Fehler: Zu tiefe Bank ohne Rückenlösung - Lösung: Rückenkissen oder feste Rückenlehne vorsehen.
- Fehler: Schubladen kollidieren mit Tür/Durchgang - Lösung: Öffnungsradien im Grundriss prüfen, alternativ Klappen.
Gestaltung: so wirkt es „eingebaut“ statt hingestellt
Mit drei Gestaltungsgriffen sieht die Bank wie ein Teil der Architektur aus:
- Seitenwangen bis zur Laibung: schließt sauber an, reduziert „Möbeloptik“.
- Durchgehende Linie: Bankhöhe auf Sockelleiste oder Brüstung beziehen.
- Material wiederholen: z.B. Sitzplatte wie Tischplatte oder Regalböden, damit es zusammengehört.

Podsumowanie
- Sitzhöhe 43 bis 48 cm (inkl. Polster) und Sitztiefe 45 bis 55 cm funktionieren in den meisten Wohnungen.
- Heizkörper unter dem Fenster nur mit geplanter Luftführung und Revisionszugang verkleiden.
- Multiplex/HPL sind fensternah meist stressfreier als ungeschützte Holzoberflächen.
- Stauraum nach Alltag wählen: Schubladen für täglich, Klappe für selten und voluminös.
- Kondenswasser vermeiden: Schattenfuge, Lüftungsschlitze, Kanten versiegeln.
- Budget grob: DIY 250 bis 700 EUR, Maßanfertigung 1.200 bis 3.500 EUR.
FAQ
Kann ich eine Sitzfensterbank direkt an die Fensterscheibe bauen?
Besser nicht. Plane eine kleine Schattenfuge (10 bis 20 mm) zur Laibung oder zum Fensterprofil, damit Luft zirkulieren kann und du Kondenswasser abwischen kannst.
Welche Lösung ist am besten, wenn ein Heizkörper unter dem Fenster sitzt?
Eine Bank mit Luftöffnung unten (Einlass) und einem Gitter/Schlitz oben (Auslass) sowie einer abnehmbaren Front für Wartung. Ohne diese Punkte sinkt die Heizleistung spürbar.
Wie verhindere ich, dass die Sitzplatte durchhängt?
Mit ausreichender Materialstärke (z.B. Multiplex 18 bis 21 mm), Mittelwänden/Querstreben und kurzen Stützweiten (typisch 60 bis 80 cm). Bei langen Bänken immer mindestens eine Mittelstütze einplanen.
Ist Massivholz an der Fensterbank eine schlechte Idee?
Nicht grundsätzlich, aber es braucht eine robuste Oberflächenbehandlung und Bewegungsfugen. Wenn du im Winter oft Kondenswasser hast, sind HPL oder lackierte Platten pflegeleichter.
